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„Schanddirne“, „Hexe“, „braune Witwe“: Irritationen der Öffentlichkeit über weibliche Angeklagte in NS-Prozessen

24.06.2014

Veranstaltungsreihe des Criminalium e.V.

Zeitzeugen aus der Region - NS-Unrecht und seine Aufarbeitung

„Schanddirne“, „Hexe“, „braune Witwe“: Irritationen der Öffentlichkeit über weibliche Angeklagte in NS-Prozessen

Vortrag von:

Prof. Dr. phil. Ulrike Weckel (Fachjournalistik Geschichte, Universität Gießen)

Susanne Raidt (Forschungs- und Dokumentationszentrum für Kriegsverbrecherprozesse, Universität Marburg)

 

24. Juni 2014, 18.00 Uhr

Ort: Konzertsaal des Rathauses, Berliner Platz 1, 35390 Gießen

Bei der justitiellen Ahndung deutscher Kriegs-, Menschheits- und national-sozialistischer Gewaltverbrechen nach 1945 standen nahezu ausnahmslos Männer vor Gericht. Waren einmal auch Frauen angeklagt, fanden diese Prozesse regelmäßig um so größere öffentliche Aufmerksamkeit. Die Tendenz zur Skandalisierung, die sich sowohl in der medialen Berichterstattung als auch in privaten Briefen aus der Bevölkerung an die Gerichte in diesen Fällen findet, deutet auf eine besondere Verunsicherung hin. Die Historikerinnen Ulrike Weckel und Susanne Raidt legen dar, unter welchen Umständen sich Frauen in der NS-Zeit an Verbrechen in Konzentrationslagern beteiligten, wie einige von ihnen - etwa der Lagerkommandantengattin Ilse Koch - nach 1945 der Prozess gemacht wurde und welche Reaktionen diese Verfahren, u.a. das Majdanek-Verfahren, hervorriefen. Wie sehr ähneln sie aktuellen Irritationen über die im NSU-Prozess angeklagte Beate Zschäpe und was sagt uns eine solche Kontinuität über unsere Vorannahmen über Frauen und Männer und ihre potentielle Affinität zu rechter politischer Gewaltkriminalität?

Ulrike Weckel ist Professorin für Fachjournalistik Geschichte – Geschichte in Medien und Öffentlichkeit an der JLU-Universität Gießen und Mitherausgeberin des Sammelbandes „Bestien“ und „Befehlsempfänger“, Frauen und Männer in NS-Prozessen nach 1945 (2003).

Susanne Raidt ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Forschungs- und Dokumentationszentrum für Kriegsverbrecherprozesse an der Phillipps-Universität Marburg und arbeitet an einer Dissertation zur strafrechtlichen Verfolgung und gesellschaftlichen Wahrnehmung von weiblichen Angeklagten in NS-Kriegsverbrecherprozessen.

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